Heftige Reaktionen hat der Kommentar von Barbara Irlbauer zur Neuwahl des Personalreferenten im Starnberger Stadtrat ausgelöst. In einem Brief an Stephan Müller-Wendlandt, Verantwortlicher Redakteur des Starnberger Merkur, nehme ich hierzu Stellung:

„Sehr geehrter Herr Müller-Wendlandt,

seit vielen Jahren gehört der Starnberger Merkur zu meiner täglichen Zeitungslektüre.

Nach dem Kommentar von Frau Irlbauer „CSU zerlegt sich selbst“ (Starnberger Merkur vom 29.02.2012) war ich für einige Tage sprachlos. Darin wurde ich als „Mörderbursche“ bezeichnet.

Dieses Wort hat eindeutig wertenden Charakter und ich ahne, welche Wirkung damit auf die Leserschaft erzielt wird. Aus meiner Sicht ist mit dieser schlimmen Entgleisung mein Ruf nachhaltig geschädigt. Ich fühle mich persönlich in meiner Menschenwürde verletzt, wenn ich in einer Zeitung mit einer Druckauflage von rund 10.000 Exemplaren als „Mörderbursche“ bezeichnet werde. Denn zur Erinnerung: Ich habe in der besagten Stadtratssitzung lediglich mein selbstverständliches Recht als SPD-Fraktionsvorsitzender wahrgenommen, bei der Wahl eines neuen Personalreferenten ein Mitglied meiner Fraktion zur Wahl vorzuschlagen.

Im Kommentar von Frau Irlbauer ist damit ein Tiefpunkt erreicht, wie es ihn – meiner Meinung nach – in der demokratischen Debatte niemals geben darf. Mir ist völlig klar, dass sich die Presse als vierte Macht im Staat auf das Grundrecht der Meinungsfreiheit stützt und das werde ich stets verteidigen.

Meiner Meinung nach jedoch ist die Bezeichnung eines Menschen als „Mörderbursche“ verletzend und entwürdigend. Damit erfüllt sie den Tatbestand der Schmähkritik. In einer gutachterlichen Stellungnahme führt der von mir beauftragte Rechtsbeistand unter anderem dazu aus: „Wer Schmähkritik übt…, geht schlichtweg zu weit, verfehlt den Ton, wird unqualifiziert und verlässt damit die Grenzen der halbwegs respektvollen Diskussion.“ Der Begriff „Mörderbursche“ wird (umgangssprachlich) mit kriminellen jugendlichen Straftätern in Verbindung gebracht, die sogar bereit sind, einen Mord zu begehen. Mord ist eines der schlimmsten Verbrechen, die es überhaupt gibt. Für mich ist diese Schmähung als Mensch, der sich ehrenamtlich in der Kommunalpolitik, als ehrenamtlicher Richter und in zahlreichen Vereinen und Verbänden engagiert, nicht hinnehmbar. Schließlich muss ich befürchten, dass ich in möglichen künftigen Wahlkämpfen von anderen erneut mit diesem bösen Wort stigmatisiert werde, wenn ich jetzt nicht dagegen vorgehe. Zumal die Befürworter des B2-Tunnels, zu denen auch ich gehöre, in der politischen Auseinandersetzung bereits wiederholt als potenzielle Mörder bezeichnet wurden.

Mit freundlichen Grüßen

Tim Weidner

P.S.: Sozialdemokraten wurden in der Weimarer Republik von den Feinden der Demokratie mit Hilfe der „Dolchstoßlegende“ bekämpft mit dem Ziel, sie zu vernichten. Dieses Bild in diesem Zusammenhang zu verwenden, finde ich geschmacklos und nicht ganz ungefährlich.“

0 Kommentare
  1. Stephan Müller-Wendlandt
    Stephan Müller-Wendlandt sagte:

    Grüß Gott, Herr Weidner,
    nachdem Ihre Krokodilstränen mittlerweile hoffentlich etwas abgetrocknet sind, sollten die Nicht-Merkur-Leser Ihres Internet-Auftritts die Berichterstattung des Starnberger Merkur über die Personalreferatswahl im Starnberger Stadtrat kennen lernen. Unserer Mitarbeiterin Barbara Irlbauer berichtete:

    Starnberg – Weil SPD-Stadtrat Tim Weidner unangekündigt seinen Fraktionskollegen Holger Knigge als Kandidaten für das Personalreferat im Stadtrat benannte, kam am Montagabend alles anders als erwartet. Nach dem Wegzug von BLS-Stadtrat Christian Vell war das Personalreferat vakant geworden. Bürgermeister Ferdinand Pfaffinger hatte die Fraktionen bereits am 16. Januar aufgefordert, Kandidaten zu benennen. Dies tat nur die Bürgerliste, die einen Tausch vorschlug: Der für Vell nachgerückte Jochen Rieser sollte das Sportreferat erhalten, das bisher Eva John (CSU) inne hatte, und John im Gegenzug für Personalfragen zuständig werden. Weitere Vorschläge waren laut Pfaffinger bis zur Stadtratssitzung nicht eingegangen.
    Weidner begründete seinen Vorschlag wie folgt: „Herr Knigge hat bisher kein Referat, er ist nicht Fraktionsvorsitzender und hat auch keine eigenen Ambitionen auf Ämter.“ Dies ist ein Hinweis darauf, dass John Fraktionschefin der CSU ist und man ihr nachsagt, Bürgermeisterin in Starnberg werden zu wollen. Ohne Diskussion folgte das Gremium dem Rathauschef, der wegen der nun vorhandenen zwei Kandidaten eine geheime Abstimmung verfügte und blaue Wahlzettelausteilen ließ. Das Ergebnis der Auszählung: 14 Stimmen für Eva John, 17 für Holger Knigge…

    Und Barbara Irlbauer kommentierte dazu:

    Eine schaurige Geschichte hat sich da im Stadtrat abgespielt. UWG, SPD und Grüne haben sich mit Dreien von der CSU verbündet und sie haben Tim Weidner sozusagen als „Mörderburschen“ auserkoren, der den Dolch in letzter Minute zückt, um ihn Eva John in den Rücken zu rammen. Wie müssen diese Ränkeschmieder die CSU-Frau fürchten, dass sie solche Drehbücher schreiben, um sie vermeintlich zu beschädigen? Was hat ihnen Johns innerparteilicher Konkurrent Ludwig Jägerhuber für den Deal versprochen?…

    Ich glaube, es ist fair, dass Ihre Homepage-Besucher auch diese Hintergründe erfahren und nicht nur die aus dem Zusammenhang gerissene Vokabel vom „Mörderburschen“.

    Mit freundlichen Grüßen
    Stephan Müller-Wendlandt

    Antworten
  2. Andreas Schöpf
    Andreas Schöpf sagte:

    Lieber Herr Müller-Wendlandt,

    als Andechser (Noch-)Gemeinderat mische ich mich in Angelegenheiten anderer Gemeinden nur ungern ein. Aber wenn ich in ihrem Beitrag zu der doch ziemlich grenzwertigen Kommentierung im Merkur den Begriff „Krokodilstränen“ lesen muss, verschlägt es mir die Sprache.
    Ich würde mir wünschen, dass auch die Lokalberichterstattung ihre Worte besser abwägen würde.

    Antworten
  3. Michael Gärtner
    Michael Gärtner sagte:

    Jeder hat das Recht seine Meinung mitzuteilen, das gilt insbesonders auch für kritische Anmerkungen. Aber die Worte, mit denen Meinungen und kritische Anmerkungen zum Ausdruck gebracht werden, sollten mit etwas mehr Respekt vor der mit diesen bedachten Personen gewählt werden. Eine in der Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit stehende Person über den Kommentar einer Tageszeitung in dieser Art und Weise zu titulieren ist für die Verfasserin disqualifizierend und für viele Ihrer Leser ein erschreckender Verfall journalistischen Fingerspitzengefühls.

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  4. Tim Weidner
    Tim Weidner sagte:

    Nachfolgenden Leserbrief an den Starnberger Merkur hat mir Christoph Bail zur Veröffentlichung auf dieser Seite zur Verfügung gestellt, nachdem er in der Zeitung nicht gebracht wurde:

    Leserbrief
    Betreff: Eva John ausgebotet – Stadtrat entscheidet sich in geheimer Wahl für Holger Knigge (SPD); Kommentar ‚CSU zerlegt sich selbst’im Starnberger Merkur vom 29. Februar 2012

    Dass die SPD Fraktion den des Nepotismus unverdächtigen langjährigen Stadtrat und ehemaligen 3. Bürgermeister Holger Knigge als Personalreferent gegen die von der Fraktion der Tunnel Gegner vorgeschlagene CSU Fraktionsvorsitzende Eva John ins Rennen schickt, ist ein ganz normaler Vorgang in einer gelebten parlamentarischen Demokratie. Dass die überehrgeizige Frau John die Wahl wegen einiger ‚Abweichler’ in ihrer eigenen Fraktion verliert, hat sie sich wohl selbst zuzuschreiben. Ihre Kungelei mit der rechtspopulistischen Rentnerfraktion und ihr Schlingerkurs bei der Seeanbindung, der Verkehrsentlastung und den Finanzen der Stadt haben offensichtlich den Rückhalt in ihrer eigenen Partei nachhaltig beschädigt.
    Der eigentliche Skandal an der Geschichte ist der Kommentar von Frau Irlbauer, der SPD Fraktionsvorsitzende Tim Weidner habe sich mit seinem Vorschlag als „Mörderbursche“ betätigt, „der den Dolch in letzter Minute zückt, um ihn Frau John in den Rücken zu stoßen.“ Diese bodenlose Stillosigkeit zeugt nicht nur von mangelndem Demokratieverständnis. Sie zeugt auch von einer gewissen Geschichtsvergessenheit eingedenk der berüchtigten ’Dolchstoßlegende’, mit der die Demokratiefeinde der obersten Heeresleitung um General Ludendorff der SPD die Schuld an der Niederlage im ersten Weltkrieg in die Schuhe schieben wollten. Si tacuisses Barbara Irlbauer ……

    Christoph Bail
    Starnberg

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  5. Dr. Clemens Heucke
    Dr. Clemens Heucke sagte:

    Es gilt m. E. zweierlei zu unterscheiden:
    Erstens: Unter dem Titel „CSU zerlegt sich selbst“ bezeichnet Kommentatorin Barbara Irlbauer im „Starnberger Merkur“ vom 29. Februar 2012 Tim Weidner „sozusagen als ‚Mörderburschen‘ …, der den Dolch in letzter Minute zückt, um ihn Eva John in den Rücken zu rammen.“ Menschen mit auch nur etwas Sprachgefühl läuft es allerdings kalt den Rücken herunter, wenn sie so etwas lesen müssen. Derartige pseudoliterarischen Sprachbilder sind abstoßend, da sie die Brutalisierung unserer Sprache fördern. Die – immerhin demokratische – Wahl eines Personalreferenten von Starnberg ist nicht der Stoff für eine Tragödie, in der es „Mörderburschen“ und „Dolche“ gibt. Viel schlimmer aber als das sprachliche Unvermögen ist die schlecht kaschierte politische Absicht hinter dem Kommentar. Es geht darum, den potenziellen Landtagskandidaten der SPD im Landreis mit derartigen Formulierungen zu verunglimpfen. Da wünschte man sich als Leser des „Starnberger Merkur“ schon eher eine kritische Auseinandersetzung mit den politischen Inhalten, für die Weidner steht. Aber wahrscheinlich ist das zu viel verlangt.
    Zweitens: Herr Müller-Wendlandt verkennt das Problem, wenn er glaubt, dass derartige sprachliche Entgleisungen sich durch den Kontext erklären oder gar rechtfertigen ließen. Das ist erstaunlich und auch etwas betrüblich für einen Redaktionsleiter.

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